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DECHEMA e.V.
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D-60486 Frankfurt am Main
Telefon (069) 7564-0
Telefax (069) 7564-201
E-Mail:
http://www.dechema.de

01.08.2003
Kontakt/Contact:
Dr. Christina Hirche
Tel. ++49 (0) 69 / 75 64 - 2 77
Fax ++49 (0) 69 / 75 64 - 2 72
e-Mail:

Nanotechnologie: Wie viel Nutzen für wie viel Risiko?

 

Die Nanotechnologie gerät in den Mittelpunkt einer breiten gesellschaftlichen Diskussion. Die DECHEMA – Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V. begrüßt diese Debatte und will sich daran beteiligen.

Ein Moratorium der Nanotechnologie, wie auf dem ersten internationalen Seminar über die gesellschaftlichen Auswirkungen der Nanotechnologie am 11. Juni 2003 im Europäischen Parlament von einigen Teilnehmern gefordert, hält der seit einem Jahr eingerichtete DECHEMA-Arbeitskreis "Chancen, ökologische und gesundheitliche Aspekte der Nanotechnologie" für unbegründet. Im Dialog mit allen gesellschaftlichen Gruppen muß es viel mehr darum gehen, Chancen und Risiken sachlich abzuwägen und bestehende Kenntnislücken zu schließen.

Deutschland belegt einen Spitzenplatz im Bereich der Nanotechnologieforschung. Um diesen technologischen und wirtschaftlichen Vorteil zu sichern und auszubauen, müssen weitere Forschungsaktivitäten in dieser Schlüsseltechnologie auch in Deutschland möglich sein. Parallel müssen aber auch in Rückkopplung mit dem technologischen Fortschritt die Arbeiten zur Risikoevaluierung von Nanopartikeln intensiviert werden. In der Abstimmung laufender und der Initiierung weiterer konzertierter Aktivitäten sieht der Arbeitskreis eine seiner wichtigsten Aufgaben.

Chancen für verbesserte und innovative Problemlösungen bieten nanostrukturierte Materialien in vielen Bereichen, beispielsweise der Gesundheit, Energietechnik, Informationstechnik und dem Automobilbau.

 

§        Arzneimittel, die über einen langen Zeitraum Wirkstoffe kontrolliert dosiert abgeben

§        Hautersatzmaterialien und Folien für inneren Wundverschluß

§        Lokale thermische Krebstherapie mit Hilfe magnetischer Nanoteilchen (Hyperthermie)

§        Diagnostikchips zur einfach handhabbaren medizinischen Früherkennung sowie perfekt selektierende Sensoren zur Messung von Schadstoffen in der Umwelt, für die Lebensmittelüberwachung und  Kontrolle von Körperfunktionen

§        Langzeitstabile, extrem miniaturisierte Datenspeicher mit der Kapazität der Deutschen Bibliothek sowie weitere Miniaturisierungen im Bereich der Unterhaltungs-Elektronik, die vom Verbraucher erfahrungsgemäß begrüßt und honoriert werden

§        Leucht- und Laserdioden in Multimediasystemen (CD, DVD) oder als energiesparende Lichtquellen (Lampen, Ampeln, Scheinwerfer, Rückleuchten u.a.)

§        neuartige preiswerte Solarzellen

§        effiziente Wasserstoffspeicher für die regenerative Energiewirtschaft

§        Neuartige Konstruktionsmaterialien, wie z.B. rostfreie Leichtbaumaterialien mit hoher mechanischer Festigkeit und unübertroffener Temperaturresistenz, wärmeisolierende und schmutzabweisende Fensterflächen und Gebäudefassaden oder leichte Kunststoff-Autoscheiben mit kratzfester und hitzereflektierender Eigenschaft oder photokatalytische Beschichtungen auf Sanitärkeramik für hygienische Badezimmer und Toiletten

 

In vielen dieser Anwendungen werden maßgeschneiderte Nanopartikel benötigt, deren Eigenschaften (auch die gesundheits- und umweltrelevanten) durch die zugrunde liegenden chemischen Strukturen und die Teilchengröße bestimmt werden. Auch in der Natur wird von Nanostrukturen Gebrauch gemacht, so z.B. im Aufbau von Muschelschalen oder in Magnetobakterien: Wichtige Lebensvorgänge spielen sich im Nanokosmos ab, so daß der Umgang von Organismen mit diesen Dimensionen ein Teil der Evolution ist.

Den großen Chancen, welche die Nanotechnologie bietet, stehen Ängste vor möglichen Gefahren gegenüber, die von Nanopartikeln ausgehen könnten. Aus diesem Grund führen alle Beteiligten, die aktiv an der Realisierung der Chancen der Nanotechnologie arbeiten, intensive grundlegende Untersuchungen über eventuell vorhandene Risiken, wie z.B. die Lungengängigkeit chemisch inerter, inhalierbarer Stäube, durch. Diese Aktivitäten tragen dazu bei, daß im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung im Dialog mit allen gesellschaftlichen Gruppen die vielfältigen Chancen der Nanotechnologie unter Abwägung der Risiken verantwortungsvoll ergriffen werden.

 

Die von der DECHEMA veranstaltete 7th International Conference on Nanostructured Materials, die vom 20.-24. Juni 2004 in Wiesbaden (www.nano2004.org) stattfinden wird, wird neben wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Aspekten nanostrukturierter Materialien auch Chancen und Risiken dieser Stoffe zum Thema haben.

 

Ansprechpartner:

 

Dr. Andreas Förster

DECHEMA e.V.

email:

Fax: +49 (0)69 7564 117

64/2003
© DECHEMA e.V. 1995-2008, Last update am 15.07.2008 von Claudia Rinck