Die gemeinsamen Jahrestagungen vom 16. bis 18. September im CCM Rosengarten in Mannheim zogen über 1000 Teilnehmer zu einem Programm mit zahlreichen thematischen Schwerpunkten an. Neben Beiträgen zur Forschung und Entwicklung auf vielen Gebieten der Verfahrenstechnik wurden dieses Mal verstärkt Themen mit größerer Praxis-Orientierung behandelt; damit wurden Fachkollegen und Fachkolleginnen der Verfahrenstechnik in der vollen Breite des beruflichen Engagements angesprochen. Ein neues vielbeachtetes Element waren die Tandem-Übersichtsbeiträge, in denen zu einem definierten Thema aus der Sicht der Hochschule der Stand des Wissens und die Entwicklungen und aus der Industrie die Wünsche und Anforderungen vorgetragen wurden. In der Fachbegleitenden Ausstellung standen Integrierte Informationsverarbeitung / Miniplanttechnik / Mikroreaktionstechnik / CFD-Anwendungen / Engineering und Datenmanagement im Vordergrund. Im Studentenprogramm ging es um die Themen „Was erwartet mich nach dem Studium?“ und das immer wieder aktuelle Standardthema „Wie bewerbe ich mich richtig“. Die Sonderveranstaltung „Grüne Gentechnik“ informierte, trug zur Meinungsbildung bei, polarisierte und ließ ein gehöriges Maß an Skepsis aufscheinen.
Im Rahmen der Eröffnungssitzung der DECHEMA/GVC-Jahrestagungen am 16. September 2003 in Mannheim wurden folgende Auszeichnungen und Ehrungen vergeben:
DVCV-Medaillen
- sie wurden 1991 von der DVCV (Deutsche Vereinigung für Chemie- und Verfahrenstechnik) gestiftet und sind nach den Pionieren auf diesen Gebieten benannt. Sie wurden in diesem Jahr zum fünften Mal für besondere Verdienste und Erfolge in der Chemischen Reaktionstechnik, Thermischen Verfahrenstechnik bzw. Mechanischen Verfahrenstechnik verliehen -
Emil Kirschbaum-Medaille
Die Emil Kirschbaum-Medaille 2003 erhielt Prof. Dr.-Ing. Johann Stichlmair, München, für seine Arbeiten und Erfolge in der Thermischen Verfahrenstechnik. Die Schwerpunkte seiner wissenschaftlichen Tätigkeit liegen in Theorie und Experiment der Rektifizier-, Absorptions- und Extraktionstechnik ohne und mit chemischer Reaktion, der Mehrphasenströmung, dem Vielkomponenten-Stoffübergang sowie der Apparate- und Prozessoptimierung. Nach kurzer Industrietätigkeit und Übernahme einer Professur an der Universität Essen hat er seit 1993 den Lehrstuhl A für Verfahrenstechnik bzw. Fluidverfahrenstechnik an der TU München inne.
In der GVC · VDI-Gesellschaft Verfahrenstechnik und Chemieingenieurwesen hat sich Johann Stichlmair als Vorsitzender des Fachausschusses „Thermische Zerlegung von Gas- und Flüssigkeitsgemischen“ nationales und internationales Ansehen erworben und hat die Geschicke der GVC als Mitglied des GVC-Vorstandes und GVC-Beirates mitbestimmt.
Hans Rumpf-Medaille
Prof. Dr.-Ing. Hansjörg Schwedes, Braunschweig, wurde für seine außerordentlichen Verdienste und Erfolge in der Mechanischen Verfahrenstechnik mit der Hans Rumpf-Medaille 2003 ausgezeichnet, insbesondere für seine Arbeiten in der Schüttgut- und Silotechnik sowie in der Zerkleinerungs- und Mahltechnik. Nach seiner Tätigkeit als Abteilungsleiter Mechanische Verfahrenstechnik bei der Bayer AG ist er seit 1976 Leiter des Instituts für Mechanische Verfahrenstechnik an der TU Braunschweig.
Hansjörg Schwedes ist Vorsitzender des GVC-Fachausschusses Agglomerations- und Schüttguttechnik, bei der DFG leitete er das Schwerpunktprogramm „Feinste feste Partikeln – Herstellen, Abscheiden, Klassieren und Messen“. Als international anerkannter Fachmann arbeitet er in Editorial Boards mehrerer renommierter Zeitschriften mit.
Gerhard Damköhler-Medaille
Prof. Dr.-Ing. habil. Gerhard Emig, Erlangen, bekam für seine besonderen Verdienste um die Chemische Reaktionstechnik die Gerhard Damköhler-Medaille verliehen. Damit wurden seine herausragenden Arbeiten zur Katalysatorentwicklung und zur angewandten heterogenen Katalyse, zur kinetischen Analyse komplexer Reaktionssysteme und zur Modellierung chemischer Reaktoren gewürdigt.
Nach seiner Habilitation erhielt Gerhard Emig 1978 eine Professur in Erlangen. Nach Forschungsaufenthalten in der USA, Indien, China und der Tschechoslowakei folgte er 1988 einem Ruf an die Universität Karlsruhe auf den Lehrstuhl für Technische Chemie und übernahm 1992 als Nachfolger von Prof. Hofmann den Lehrstuhl für Technische Chemie an der Universität Erlangen-Nürnberg.
Gerhard Emig ist Mitglied im DECHEMA-Vorstand und Vorsitzender des Forschungsausschusses Chemische Reaktionstechnik. Er ist Mitglied des Kuratoriums des Karl-Winnacker-Instituts und des ConNeCat-Vorstandes sowie Mitglied des Kuratoriums der „Chemie Ingenieur Technik“, Mitherausgeber der Zeitschrift „Technology Today“ und Mitglied des Vorstandes des DGMK-Fachbereiches Petrochemie.
DECHEMA-Plakette in Titan
– sie wird seit 1999 jährlich vergeben und würdigt das besondere Engagement in den Forschungsausschüssen oder bei anderen DECHEMA-Aktivitäten –
Mit der DECHEMA-Plakette wurde Prof. Dr.rer.nat. Klaus-Peter Jäckel, Ludwigshafen, für seinen wegbereitenden Einsatz und sein erfolgreiches Wirken auf dem Gebiet der Mikroreaktionstechnik, die Förderung ihrer industriellen Anwendung und deren Integration in das Aufgabengebiet der DECHEMA geehrt.
1977 begann Klaus-Peter Jäckel seine industrielle Tätigkeit zunächst im Kunststofflabor der BASF, leitete dann die Forschungsabteilung „Reproduktionstechnik, Lacke“ und später „Wirkstofftechnika und physikalisch-chemische Methoden bei life sciences“. Seit Oktober 2001 ist er Abteilungsdirektor und Leiter des „Kompetenzzentrums Analytik“ in der BASF.
Herr Jäckel war der erste Vorsitzende des im November 1995 gegründeten DECHEMA-Arbeitsausschusses „Mikroreaktionstechnik“ im Rahmen des Forschungsausschusses „Chemische Reaktionstechnik“ und hatte diese Position bis Ende 2002 inne. Gemeinsam mit dem American Institute of Chemical Engineers wird seit 1997 unter intensiver fachlicher Beteiligung des Ausschusses alternierend in Deutschland und USA die Konferenz „Microreaction Technology“ durchgeführt. Das große Interesse der Industrie an diesem Arbeitsgebiet fand seinen Niederschlag im August 2000 in der Gründung der Industrieplattform Mikroverfahrenstechnik. Klaus-Peter Jäckel ist Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des IMM in Mainz, Kuratoriumsmitglied am Naturwissenschaftlich-Medizinischen Institut in Reutlingen und Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der BAM in Berlin.
VDI-Ehrenmedaillen
Prof. Dr.-Ing. Reinhard Polke und Prof. Dr.-Ing. E.h. Klaus Wintermantel, beide BASF Ludwigshafen, wurden mit der VDI-Ehrenmedaille für ihr Engagement und ihre fachlichen Erfolge auf dem Gebiet der Verfahrenstechnik geehrt.
Reinhard Polke ist seit 1972 als Gruppenleiter in der verfahrenstechnischen Entwicklung der BASF mit den Sachgebieten Agglomeration, Zerkleinern, Dispergieren, Emulgieren und Partikelmesstechnik tätig.
In der GVC hat sich Herr Polke umfassend engagiert als Mitarbeiter und Mitglied verschiedener Fachausschüsse und als Vorsitzender des GVC-Fachausschusses Partikelmesstechnik von 1985 bis 1996. Er ist Sondergutachter der DFG, und er hat drei DFG-Schwerpunkte zum Themenkreis Partikeltechnik mit Richtung Nanotechnik über 18 Jahre betreut. Seit 1990 hat er einen Lehrauftrag an der Universität Karlsruhe und wurde 1997 zum Honorarprofessor ernannt. In seinem „angeblichen Ruhestand“ engagiert er sich beim Aufbau und im Betrieb der chinesisch-deutschen technischen Fakultät Qingdao in China.
Klaus Wintermantel begann seine industrielle Tätigkeit bei der BASF als Entwicklungsingenieur und dann als Projektingenieur im Anlagenbau. Seit 1982 koordinierte er die Ingenieursaufgaben der BASF-Gruppe, ab 1990 leitete er die Abteilung Technische Entwicklung und ab 1999 die Abteilung Fachstellung für Produktionstechnik. Seit 1988 ist er Lehrbeauftragter an der Universität Stuttgart, dort wurde er auch zum Honorarprofessor ernannt. In 2002 wurde ihm die Ehrendoktorwürde der Universität Karlsruhe verliehen.
Herr Wintermantel ist Mitglied des Beirates und des Vorstandes der GVC, Mitglied der GVC-Strategiekommission und Vorsitzender des Forschungsbeirates der Forschungs-Gesellschaft Verfahrens-Technik GVT. Er war langjähriger Vorsitzender des Kuratoriums der Zeitschriften „Chemie Ingenieur Technik“ und „Chemical Engineering and Technology“.
Arnold-Eucken-Preis
Der Arnold-Eucken-Preis 2003 für junge Nachwuchswissenschaftler wurde an Dr.-Ing. Grigorius Kolios, Stuttgart vergeben. Ausgezeichnet wurden seine grundlegenden Arbeiten zur Entwicklung von multifunktionalen, wärmeintegrierten Reaktorkonzepten für die energieeffiziente Durchführung katalytischer Festbettreaktionen. Damit wird eine neuartige Reaktorgestaltung bei der endothermen Hochtemperatursynthese möglich, mit periodischem Wechsel der Strömungsrichtung.
Grigorius Kolios (Jahrgang 1965) hat nach seiner Promotion am Institut für Chemische Verfahrenstechnik der Universität Stuttgart zwei Jahre als Habilitationsstipendiat der DFG an den Universitäten Houston und Stuttgart gearbeitet. Die während seines Aufenthaltes in Houston aufgenommenen theoretischen Konzepte hat er mittlerweile intensiv weiterverfolgt und angewandt und selbständig und eigenverantwortlich in mehreren Forschungsprojekten realisiert. |