Quo vadis Grüne Gentechnik?
Grüne Innovationen
Schon seit Jahrtausenden setzt der Mensch erfolgreich züchterische Methoden zur Verbesserung von Kulturpflanzen ein. Dort wo die klassische Züchtung an ihre Grenzen gerät, eröffnet die Gentechnik heute neue Möglichkeiten. Die ersten erfolgreichen Produkte der grünen Biotechnologie waren Pflanzen mit Herbizidtoleranz oder Insektenresistenz. Neue Produkte sind unter anderem Pflanzen mit Veränderungen bei Gehalt oder Zusammensetzung von wertvollen Pflanzeninhaltsstoffen. Ein Beispiel sind Pflanzenöle mit veränderter Fettsäurekomposition, die helfen können, Herz-Kreislauferkrankungen zu verhindern. Das in der Grundlagenforschung erarbeitete neue Wissen kann auch genutzt werden, um komplexe Pflanzenkrankheiten zu bekämpfen oder Pflanzen mit Toleranzen gegen Streß wie Wassermangel, Hitze oder Kälte zu züchten.
Grüne Biotechnologie – Wo bleibt Deutschland?
In Europa und Deutschland fällt es weiter schwer, die wirtschaftlichen Chancen der Grünen Gentechnik zu nutzen. Obwohl in die starr ablehnende Haltung, insbesondere auf der europäischen Ebene, inzwischen Bewegung gekommen ist, spielt Deutschland bei der kommerziellen Umsetzung der Potenziale der Grünen Gentechnik bisher keine Rolle. Nur wenn die Bundesregierung sich ernsthaft zu einer Anwendung dieser Technologie bekennt, wird es möglich sein, den Rückstand bei der wirtschaftlichen Nutzung gegenüber vielen anderen Ländern der Welt aufzuholen. Dies bedeutet, dass die EU-Freisetzungsrichtlinie jetzt ohne nationale Verschärfungen umgesetzt werden muss und dass der Anbau von gentechnisch veränderten Kulturpflanzen neben dem konventionellen und dem ökologischen Anbau eine faire und echte Chance erhält. Andernfalls ist zu befürchten, dass Deutschland international den Anschluss auf diesem wichtigen Innovationsfeld verliert.
Steigende Anbauflächen im internationalen Vergleich
Weltweit stiegen die mit gentechnisch veränderten Pflanzen bebauten Flächen nach Angaben der ISAAA (International Service for the Acquisition of Agri-biotech Applications) im Jahr 2003 um 15% auf insgesamt 67,7 Mio. Hektar weiter stark an. Führend im Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen sind die USA, Argentinien, Kanada, China, Brasilien und Südafrika. In der Europäischen Union war Spanien mit rund 32.000 Hektar Bt-Mais das einzige Land, in dem nennenswerte Flächen gentechnisch veränderter Pflanzen angebaut wurden; im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung um 33%.
Gentechnisch veränderte Sojabohnen machten im Jahr 2003 auf einer Fläche von 41,4 Mio. Hektar bereits 55% des gesamten weltweiten Anbaus aus. Den stärksten prozentualen Zuwachs verzeichnete gentechnisch veränderter Mais mit 25% auf 15,5 Mio. Hektar, das sind 11% des gesamten weltweiten Anbaus. Wichtige gentechnisch veränderte Pflanzen sind außerdem Baumwolle (21% des weltweiten Anbaus, 7,2 Mio. Hektar) und Raps (16%, 3,6 Mio. Hektar).
Rund 7 Millionen Landwirte in 18 Ländern bauten im Jahr 2003 gentechnisch veränderte Pflanzen an; 85 % dieser Landwirte stammten aus Schwellen- und Entwicklungsländern.
Wahlfreiheit bei Erzeugern und Verbrauchern
Auf europäischer Ebene hat der EU-Agrarkommissar Franz Fischler den Mitgliedsstaaten Leitlinien zur Koexistenz an die Hand gegeben, mit dem Ziel, keine der Anbauformen zu benachteiligen oder auszuschließen.
Dr. Harald Seulberger, Geschäftsführer des Unternehmens SunGene, Gatersleben, führt dazu aus: „Die deutsche Biotechnologieindustrie will eine verantwortungsbewusste Anwendung und Weiterentwicklung der Grünen Biotechnologie auf Basis wissenschaftlicher Bewertung und nachvollziehbarer Standards. Dies kann nur unter Praxisbedingungen gelingen. Dazu bedarf es neben einer Wahlfreiheit für die Konsumenten auch einer Wahlfreiheit für die Produzenten. In der Praxis benötigen wir also eine faire Koexistenz der verschiedenen Anbauformen mit und ohne Gentechnik.“
Professor Gerhard Wenzel von der TU München ergänzt: „Ich bin für Wahlfreiheit und möchte mich für die umweltfreundliche, gentechnisch optimierte Kartoffel entscheiden können! Schön wäre es, wenn dieser Fortschritt nicht aus China importiert werden muss, sondern auch auf einem Feld in Deutschland eine Chance hat.“ |