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DECHEMA e.V.
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E-Mail:
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24.05.2005
Kontakt/Contact:
Dr. Christina Hirche
Tel. ++49 (0) 69 / 75 64 - 2 77
Fax ++49 (0) 69 / 75 64 - 2 72
e-Mail:

Vom Gen – zum Genom – zur Systembiologie

 

Mehr Ingenieurwissen gefragt

Vom 10. bis 12. Mai trafen sich in Wiesbaden rund 1000 Fachleute zur BioPerspectives 2005 – als gemeinsame Veranstaltung von 16 Organisationen. Erstmals war neben der traditionellen DECHEMA-Jahrestagung auch die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Proteomforschung Teil der BioPerspectives. Mit der Schweiz als Partnerland und der Vorstellung des europäischen BREW-Projekts zur weißen Biotechnologie hatte die Veranstaltung einen stark internationalen Zuschnitt. „Diese Entwicklung ist sehr erfreulich und zeigt, daß wir mit dem Konzept der BioPerspectives auf dem richtigen Weg sind," sagte Professor Alfred Pühler, Universität Bielefeld, Vorsitzender des DECHEMA-Forschungsausschusses Biotechnologie und Chairman des Kongresses, zur Eröffnung. Erlärtes Ziel sei es, Experten aus unterschiedlichen Disziplinen zusammenzubringen und damit eine möglichst breite Basis für den Erfahrungsaustausch und die Netzwerkbildung zu bieten. „Innovationen entstehen bekanntermaßen gern an den Schnittstellen unterschiedlicher Fachrichtungen; deswegen ist es uns wichtig, mit den BioPerspectives den Querschnittscharakter der Biotechnologie abzubilden", betonte er.

Schon der Name „BioPerspectives" sei Auftrag, bekräftigte auch Professor Rudi Balling, Präsident des Verbunds biowissenschaftlicher und biomedizinischer Gesellschaften (vbbm) und Geschäftsführer der GBF, Braunschweig, zur Eröffnung. Wissen und Forschung seien der Schlüssel zu Deutschlands Zukunft. „In Zeiten der Globalisierung haben wir nur eine Chance auf dem Weltmarkt, wenn unsere Produkte an der Spitze der wissenschaftlichen und technologischen Entwicklung stehen", sagte er. Diese offensichtliche Notwendigkeit stehe jedoch noch in krassem Gegensatz zu den Realitäten: Die Exzellenzförderung in den Wissenschaften sei politisch blockiert; Universitäten können sich unter immer neuen Sparmaßnahmen kaum noch bewegen; überbordende Bürokratie schrecke hervorragende Wissenschaftler vor einer Karriere in Deutschland ab.

Nur mit einer Vernetzung von Investitionen für die Forschungsinfrastruktur, die allen Biotechnologen in Universitäten, öffentlichen Einrichtungen und der Wirtschaft offenstehe, könne die Biotech-Branche international Schritt halten, betonte Balling. „Parallelstrukturen können wir uns nicht leisten. Die Biowissenschaften und Biomedizin müssen mit einer Stimme sprechen", deshalb sei auch der vor einem Jahr mit seinem Engagement gegründete vbbm, in dem heute bereits 22 Fachgesellschaften und gut 25.000 Wissenschaftler vertreten sind, ein Schritt in die richtige Richtung. Weiterhin betonte er die Notwendigkeit der Interdisziplinarität und eines ganzheitlichen Verständnisses für die Biowissenschaften. Die stärkere Durchdringung mit Ingenieurswissen, Regelungstechnik und mathematischer Modellierung - die Systembiologie - sei der Schlüssel zum Erfolg. „Wir haben Grund zu Optimismus", sagte Balling. Wenn auch die Dynamik immer noch von den USA ausgehe, so gebe doch eine Auswertung in „Nature" vor etwa einem Jahr zum „Impact of Nations" den Hinweis, daß Großbritannien in Medizinwissenschaften am besten dastehe und Deutschland in den Ingenieurswissenschaften vorn liege.

Vonseiten der Politik betonte Staatssekretär Georg Wilhelm Adamowitsch, Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (BMWA), die Notwendigkeit, daß Deutschland bei der Entwicklung innovativer Technologien Vorreiter sein und bleiben muß. „Die BioPerspectives gibt dafür wichtige Impulse", sagte er. „Wir brauchen die Roadmap der Wissenschaft und müssen das gemeinsam auf den Weg bringen". Die Nutzung neuer Technologien müsse aber auch in unseren Wertekanon passen und sich offen der kritischen gesellschaftlichen Diskussion stellen. Als besonders wichtig sehe das BMWA auch die Stärkung der Finanzkraft des Mittelstandes. Mit einer neuen dreistufigen Wagniskapital-Förderarchitektur (EPR/EIF Beteiligungskapital-Dachfonds, EPR-Startfonds und HighTech-Gründerfonds) wolle das BMWA einen entscheidenden Beitrag leisten, die Finanzierungshürden für innovative Unternehmen abzubauen. „Erste erfolgreiche Engagements gerade im Bereich der Biotechnologie zeigen, daß wir hier richtig liegen", sagte er.

Vielbeachtet war auch der Plenarvortrag zu neuen Erkenntnissen und Entwicklungen der Krebsforschung von Prof. Axel Ullrich, Direktor der Molekularbiologie am Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried. „Ich will da sein, wo etwas passiert, und das ist in Asien", sagte der international renommierte Krebsforscher, derzeit Forschungsdirektor des Singapore OncoGenome Project im „BioPolis", dem legendären Biotechnologiestandort in Singapore. In Asien werde anerkannt, daß die Biotech-Forschung einen langen Atem brauche und nicht in drei Jahren Gewinn abwerfe. Er kritisierte vor allem die kurzfristige Sicht der Finanzinvestoren in Europa. Während des Börsen-Booms hätten Wagnis-Kapitalfonds wahllos zahlreiche Biotechfirmen finanziert. In den Sog des alsbald folgenden Absturzes seien dann auch aussichtsreiche Biotech-Unternehmen geraten. In den USA habe man seit Mitte der siebziger Jahre , als die Ära der Genomtechnologie auch Aussichten für die Krebstherapie eröffnete, bisher mehr als 200 Milliarden US$ in die Krebsforschung investiert. Heute weiß man schon viel mehr über die Mechanismen und hat theoretische Konzepte entwickelt. „Krebs ist keine Mono-Gen-Erkrankung, deshalb sind nur Kombinationstherapien erfolgreich", wie er am Beispiel der „Herception Story" erklärte, die er selbst bei der amerikanischen Firma Genentech mitgestaltete.

Die Zukunft gehört der Systembiologie

Die forschungsorientierten Schwerpunkte der BioPerspectives reichten von molekularen Ansätzen wie Genom- und Proteomforschung, Systembiologie und RNA-Engineering bis zur Bioprozesstechnik und Aufarbeitung. Gerade die neuen Erkenntnisse und Einsichten aus den Forschungslabors sind es, die neue Anwendungen erst ermöglichen und davon profitieren sehr unterschiedliche Branchen oft gleichermaßen. Letzlich sind es die Fortschritte im Verständnis zellulärer Stoffwechselvorgänge – die molekularbiologischen Werkzeuge, die ganzheitliche Analyse zellulärer Systeme und deren ingenieurtechnischen Anwendung - die beispielsweise den Einsatz von körpereigenen Zellen für therapeutische Zwecke, die Verwendung von Pflanzen zur Herstellung von Wertstoffen oder den Einsatz von Enzymen für ökologisch und ökonomisch vorteilhafte industrielle Prozesse erlauben.

Wie ein roter Faden zog es sich durch die verschiedenen Diskussionen, Vorträge und Podiumsgespräche, daß der Erfahrungsaustausch zwischen den Fachdisziplinen und mit der Industrie und auch mit der Politik notwendig ist, um die Bedeutung neuer Technologien für die unterschiedlichen Anwendungsbereiche rechtzeitig zu erkennen und sie dort gezielt einzusetzen. Nur so können aus Erfindungen auch Innovationen werden.

VBU-Tag: Technologietransfer und Kooperationen fördern

Wie kann man die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft effektiver gestalten? Diese von der VBU Vereinigung deutscher Biotechnologie-Unternehmen am 11. Mai gestaltete Thematik mit Vorträgen und Podiumsdiskussion wurde von allen Teilnehmern der BioPerspectives begrüßt, denn erfolgreiche Kooperationsmodelle und Kooperationsmanagement interessieren Universitäten, Industrie, Kapitalgeber oder Patentverwertungsagenturen gleichermaßen.

Fazit der vielfältigen wertvollen Diskussionen: Patentrezepte gibt es nicht, aber dennoch viele gute Ideen und Erfahrungen. Dr. Dieter Treichel von der Garching Innovation GmbH, München, der mit für die Verwertung der Ergebnisse der Max-Planck-Gesellschaft zuständig ist, sagte: „Technologietransfer darf man nicht nur persönlich finanziell messen, wichtiger ist z.B. der Austausch von Köpfen, um die Ideen schon in einer frühen Phase in der Industrie oder in Start-up umzusetzen. Gute Wissenschaftler sind nicht unbedingt gute Unternehmer, zur Produktentwicklung braucht man die Begleitung durch ein Unternehmen, was Interesse an der Vermarktung hat, erst dann kann ein Patent zum Erfolg werden. Das Defizit in Deutschland sind die „Macher".

„Viele Wissenschaftler haben lieber das „Nature" Paper auf dem Citation Index als an eine aussichtsreiche Produktentwicklung zu denken, bestätigte auch Prof. Hanns Seidler von der TU Darmstadt. Erfolgreicher Technologietransfer erfordere viele Instrumente. Ein amerikanischer Slogan für Erfolg heiße „bring people together...", die BioPerspectives sei hierzu der richtige Ansatz.

Auch Prof. Peter Stadler bestätigte aus eigener Erfahrung als CEO der Artemis Pharmaceuticals GmbH, Köln: „Ich glaube nicht , daß es die eine Supermaßnahme für erfolgreichen Technologietransfer gibt". Viel mehr Aufmerksamkeit müßten die Forscher auch einer zeitgerechten Patentierung schenken, nur dann sei Technologietransfer für beide Seiten interessant. „Wir holen uns dort die Technologie, die wir brauchen, wo sie vorhanden ist, egal ob in USA, Deutschland oder China", sagte er.

Auch Dr. Gábor M. Lamm von der EMBLEM Technology Transfer GmbH, Heidelberg, bestätigte, daß deutsche Wissenschaftler oft nicht erkennen oder wahrhaben wollen, daß Grundlagenforschungspatente nur ihren Wert haben, wenn sie in der Industrie weiterentwickelt werden. Viele Projekte aus Unis seien einfach noch nicht marktreif. Dabei gebe es in Deutschland bestens ausgebildete Wissenschaftler und auch ordentliche Finanzierungsmöglichkeiten, manches werde nur schlechtgeredet. Woran es mangelt, ist der Mut zu „Geschäftsideen".

Schülerkongreß

Etwa 600 Schüler und Lehrer nahmen am 12. Mai an dem vom vdbiol Verband Deutscher Biologen ausgerichteten Schülerkongreß teil. Ein gutes Omen für den Nachwuchs in den Biowissenschaften! Die Berufsperspektiven und brandaktuelle Themen wie Vaterschaftstests, Gendiagnostik und Kriminaltechnik mit modernen biotechnologischen Methoden fanden großes Interesse bei den Schülern der Oberstufe. Ein Blick in die Ausstellung der jungen Biotechnologie-Unternehmen und die Podiumsdiskussion „Das Jahrhundert der Biologie – Wunsch oder Wirklichkeit" erweiterten ebenfalls die Sicht der Schüler für Ausbildungsberufe und Studiengänge in den Biowissenschaften.

Jahrhundert der Biologie – Wunsch oder Wirklichkeit?

„Wir glauben an das Jahrhundert der Biologie", so lautete die zentrale Botschaft der abschließenden Podiumsdiskussion am 12. Mai, wie aus verschiedener Sicht von Akademia, Industrie, Medien und Innovationsforschern - Prof. Alfred Pühler, Prof. Rudi Balling, Dr. Joachim Müller-Jung (Frankfurter Allgemeine Zeitung, Ressortleiter Naturwissenschaft), Prof. Bernd Kriegesmann (Vorstandsvorsitzender, Institut für Angewandte Innovationsforschung, Bochum), Dr. Holger.Zinke (Geschäftsführer des 1993 gegründeten Biotech-Unternehmens BRAIN AG, Zwingenberg) und der Moderator und Sprecher des DECHEMA-Zukunftsforums Biotechnologie Prof. Roland Ulber - bestätigten. Allerdings..... es bleibe noch einiges zu tun.

Neuer VBU-Vorstand

Am 11. Mai wurde der bislang kommissarische Vorstand der Vereinigung deutscher Biotechnologie-Unternehmen durch die Mitgliederversammlung offiziell gewählt. Im fünfköpfigen Vorstand engagieren sich Dr. Ulrich Behrendt, Hauptabteilungsleiter Fermentation in der pharma-biotechnologischen Produktion und Entwicklung bei der Roche Diagnostics GmbH, Penzberg, Thomas Klein, Gründer und Geschäftsführer der NOXXON Pharma AG, Berlin, PD Dr. Christine Lang, Gründerin und Geschäftsführerin der OrganoBalance GmbH, ebenfalls Berlin, Prof. Dr. Peter Stadler, Mitbegründer und Geschäftsführer der Kölner Artemis Pharmaceuticals GmbH, und Dr. Martin Weber, Leiter der Chemischen und Biologischen Forschung der QIAGEN GmbH aus Hilden. Neuer Vorsitzender des VBU-Vorstands ist Dr. Ulrich Behrendt.

„Als einen Schwerpunkt der Arbeit der VBU sehen wir die Stärkung der Schnittstelle Akademia – Industrie", so der neue Vorstand. Ein aktuelles Beispiel hierfür war das sehr erfolgreiche Technologieforum Biotechnologie am 2. und 3. Juni bei der DECHEMA in Frankfurt am Main, das sich dem Technologietransfer in der Weißen Biotechnologie widmete.
Weitere Informationen: www.v-b-u.org

Vorstandswahlen bei der Fachsektion Biotechnologie

Am Rande der BioPersepectives wählte die Mitgliederversammlung der DECHEMA-Fachsektion Biotechnologie am 10.Mai in Wiesbaden ihren neuen Vorstand. Gewählt wurden drei Vertreter der Industrie und zwei Vertreter der Akademia. Die neuen Vorstandsmitglieder aus der Industrie sind PD Dr. Christine Lang, OrganoBalance GmbH, Berlin, Dr. Tilman Spellig, Schering AG, Berlin, und Dr. Holger Zinke, BRAIN AG, Zwingenberg; Vertreter der Akademia sind Prof. Dr. Erwin Flaschel, Universität Bielefeld und Prof. Dr. Andreas Liese, Technische Universität Hamburg-Harburg. Nominierte Vorstände sind Prof. Dr. Susanne Grabley vom Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie e.V. - Hans-Knöll-Institut, Jena, weiterhin Vorsitzende der Fachsektion, und Prof. Dr. Alfred Pühler, Universität Bielefeld. Die DECHEMA-Fachsektion Biotechnologie ist mit rund 1800 Mitgliedern die stärkste Biotechnologieorganisation Deutschlands. Arbeitsschwerpunkte dieser Fachsektion, die allen DECHEMA-Mitgliedern offen steht, sind die Gestaltung wissenschaftlicher Veranstaltungen, Netzwerkbildung und Integration des wissenschaftlichen Nachwuchses.
Weitere Informationen: http://biotech.dechema.de/Fachsektion.html

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© DECHEMA e.V. 1995-2009, Last update am 15.07.2008 von Claudia Rinck