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28.05.2003
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ACHEMA 2003 - Schlußsitzung

ACHEMA 2003 - Schlußsitzung
Frankfurt am Main, DECHEMA-Haus

24. Mai 2003, 10.30 Uhr

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Es gilt das gesprochene Wort.

Prof. Dr. Utz-Hellmuth Felcht
Vorsitzender der DECHEMA e.V., Frankfurt am Main
Vorsitzender des Vorstands der Degussa AG, Düsseldorf

 

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

nach einer interessanten, ergebnisreichen, informativen und für viele von uns gewiß auch etwas anstrengenden Woche sind wir am letzten Tag dieser ACHEMA 2003 zusammengekommen, um eine erste Bilanz zu ziehen, einige verdiente Kollegen auszuzeichnen und mit einem interessanten und anregenden Festvortrag diese Tage ausklingen zu lassen. Ich heiße Sie alle zu unserer Schlußsitzung ganz herzlich willkommen und freue mich, daß Sie unserer Einladung so zahlreich gefolgt sind. Ganz besonders herzlich begrüße ich Sie, Herr Doktor Seitz, als unseren heutigen Festredner.

Diese 27. ACHEMA fand im Vergleich zu ihrer außerordentlich erfolgreichen Vorgängerin im Jahr 2000 in einem wirtschaftlich erheblich veränderten Umfeld statt, wobei „verändert“ in Wahrheit leider nur eine wohlwollende Umschreibung von „verschlechtert“ bedeutet. Es erfüllt uns deshalb mit einem gewissen Stolz und einer verhaltenen Zufriedenheit, wenn ich heute abschließend feststellen kann, daß dies dennoch die zweitgrößte ACHEMA ihrer 83-jährigen Geschichte war.

Dies unterstreicht die Einsicht aller Aussteller und Besucher, daß es gerade in schwierigen Zeiten gilt, besondere Chancen, wie sie eine ACHEMA bietet, wahrzunehmen.

Globalisierung, Fusionen zu weltweit agierenden Konzernen, deren Strukturen sich aus der Enge der Nationalstaaten befreien, zunehmende Bedeutung neuer Märkte, enorme Chancen in China, ein nur mäßiges Wachstum in den hochindustrialisierten Ländern, das alles sind Facetten der uns heute umgebenden Wirtschaftsrealität. Dies alles aber darf uns Europäern nicht den Blick für die Tatsache verstellen, daß Europa für die chemische Industrie und die stoffumwandelnden Industrien insgesamt noch immer den größten zusammenhängenden Markt darstellt. Das Kerneuropa mit seiner Währungsunion bezeichnen die Volkswirte inzwischen als Euroland, Heimatmarkt Europa hat es Jürgen Strube einmal genannt.

Die ACHEMA hat einmal als eine deutsche Veranstaltung begonnen und sich dann zur weltweit größten Ausstellungstagung mit Ausstellen aus 48 Ländern und Besuchern aus 88 Ländern entwickelt. Diese 27. ACHEMA hat wie keine frühere deutlich gemacht, daß die ACHEMA von einer in Deutschland beheimateten zu einer in Europa beheimateten Veranstaltung geworden ist. Bei den deutschen Ausstellern hatten wir einen Rückgang von 316 Ausstellern, das sind 12,2 %. Dabei war leider auch die Zahl der Insolvenzen deutlich höher als früher. Bei den ausländischen Ausstellern lag der Rückgang bei nur 12 Ausstellern, entsprechend 0,8 %. Mit insgesamt 3.819 Ausstellern sind wir in der Ausstellerzahl um 7,9 % hinter die ACHEMA 2000 zurückgefallen, die freilich einen Zuwachs von 12,2 % aufzuweisen hatte. In der Fläche lagen wir bei 138.345 qm, was einem Rückgang gegenüber 2000 von nur 5,0 % entspricht. Erstmals seit vielen ACHEMAs hat sich der Trend zur ständigen Verkleinerung der mittleren Standfläche wieder umgekehrt. Eine entscheidende Voraussetzung für diese positive Entwicklung haben wir mit der Neugruppierung fast aller Ausstellungsgruppen auf dem Gelände geschaffen. Eines unserer Ziele bestand dabei darin, allen Gruppen bedarfsgerechte Expansionsspielräume zu eröffnen. Damit waren wir endlich in der Lage, fast alle Wünsche nach Standvergrößerungen auch verwirklichen zu können.

Mit einer vorläufigen Teilnehmerzahl von insgesamt etwa 194.690 haben wir den Wert der ACHEMA 2000 nicht erreicht und mußten einen Rückgang von 8,4 % hinnehmen. Der Irak-Krieg und die Verunsicherung durch SARS in den Medien sind gewiß wesentliche Ursachen; eine andere besteht in dem ausgeprägten Zusammenhang zwischen Aussteller- und Besucherzahl. Der Rückgang von 8,4 % verteilt sich allerdings keineswegs gleichmäßig auf alle Teilnehmergruppen. Unsere Aussteller haben offenbar Effizienzreserven mobilisiert, denn die Anzahl der Mitarbeiter der Aussteller auf den Ständen war um 19,9 % rückläufig. Bei den Besuchern dagegen lag der Rückgang nur bei 6,6 %. Mit diesem Ergebnis sind wir sehr zufrieden, bestätigt es doch ein ungebrochen hohes Interesses aller Zielgruppen an der ACHEMA. Der Rückgang bei den Besuchern ist damit um 1,3 % geringer ausgefallen als der bereits erwähnte Rückgang von 7,9 % in der Zahl der Aussteller. Über die Qualität der Besucher haben wir von allen Ausstellern, mit denen wir gesprochen haben, nur positive Bewertungen gehört.

Unter den Teilnehmern waren 8.640 Studenten, 8.310 Schüler – das sind 37 % mehr als zur letzten ACHEMA, worüber wir uns im Jahr der Chemie natürlich ganz besonders freuen, 848 Lehrer und 1.220 akkreditierte Jounalisten.

Mit 877 Vorträgen und einer integrierten internationalen Biotechnology Conference darf auch das Kongreßprogramm, an dem sich Vortragende aus 43 Ländern beteiligt haben, als außerordentlich erfolgreich bewertet werden.

Die Versuchung wäre groß, jetzt am Beispiel vieler Neuentwicklungen im einzelnen zu zeigen, daß diese ACHEMA 2003 durch einen neuen Innovationsschub gekennzeichnet ist. Da hierzu jeder von uns auf seinem speziellen Gebiet seine eigenen Entdeckungen gemacht hat, und wir alle diese Eindrücke erst sortieren, verarbeiten und werten müssen, könnte ein solcher Versuch nur bruchstückhaft und keineswegs repräsentativ sein, so daß ich heute darauf verzichten möchte.

Spiegelt man die ACHEMA 2003 am Bild vieler zurückliegender ACHEMAs, so wird besonders deutlich, daß die ACHEMA ihre Zielgruppe erheblich erweitert hat. Noch nie war im Kongreßprogramm und in den begleitenden Veranstaltungen die Palette der Themen so vielfältig, die sich nicht nur an die engere Fachwelt wenden, sondern auch für eine breite Öffentlichkeit von allgemeinem Interesse sind. Gerade im Jahr der Chemie war uns das ein besonderes Anliegen.

Das Jahr der Chemie war uns auch Anlaß, im Rahmen der Eröffnungssitzung Ehrungen und Auszeichnungen an Angehörige von vier Generationen zu vergeben, wobei ich noch einmal besonders auf die Sieger des dritten DECHEMAX-Schülerwettbewerbs im Internet hinweisen möchte. In der Via Mobile haben wir über 1.000 Schülerzeichnungen gezeigt, die in einem großen Wettbewerb unter dem Motto „Chemie – Augen – Blicke“ entstanden sind. Vergleicht man diese Bilder mit den eher tristen Ergebnissen eines ähnlichen Schülerwettbewerbs, der vor etwa 15 Jahren in Basel stattgefunden hat, bei dem die Chemie fast ausschließlich rauchend, umweltfeindlich, gefährlich und angsterregend dargestellt wurde, so dürfen wir feststellen, daß unsere intensiven Bemühungen, gerade der jungen Generation wieder ein positiveres Bild von der Chemie zu vermitteln, nicht ganz erfolglos geblieben sind. Wenn dennoch das eine oder andere kritische Bild dabei zu sehen war, so empfinden wir das nicht als deprimierend, denn auch wir wissen natürlich, daß wir in den vergangenen Jahren manches Defizit aufzuarbeiten hatten und gewiß auch noch manches vor uns liegt. Am Mittwoch haben wir den dritten Fernsehpreis der ACHEMA 2003 an Herrn Jörg Moll für seinen Film „Moderne Alchemie – Werkstoffe der Zukunft“ vergeben. Auch dieser Film hat beeindruckend gezeigt, welche Vielfalt moderner Werkstoffe wir der Chemie verdanken und wie diese unser alltägliches Leben im Beruf und in der Freizeit durchdringen und qualitativ verbessern.

Die jetzt hinter uns liegende ACHEMA 2003 hat den zweiten Zyklus ACHEMA worldwide eröffnet. Ihr wird im Mai 2004 die 6. ACHEMASIA in Beijing und im April 2005 die 2. ACHEMAMERICA in Mexico City folgen. Mit Blick auf die bevorstehende ACHEMASIA in Beijing und die wirtschaftliche Entwicklung in China, die fast als einzige Region der Welt noch eine nachhaltig wachsende Wirtschaft aufweist, sind wir sehr optimistisch. Ich will aber keineswegs verhehlen, daß uns der Gedanke, die gegenwärtige SARS-Epidemie hätte sich auch in einem ACHEMASIA-Jahr ereignen können, durchaus manche schlaflose Stunden bereitet hat. Beim heutigen Fortschritt der medizinischen Wissenschaft hoffen wir, daß das Problem in einigen Monaten gelöst sein wird.

Mit unserer ACHEMASIA in China bin ich nun beim Thema Ihres Vortrages, Herr Dr. Seitz, angelangt. Wir sind Ihnen außerordentlich dankbar, daß Sie heute zu uns gekommen sind, um über das für uns alle spannende Thema „Mündet die Globalisierung in ein chinesisches Jahrhundert?“ zu referieren. Sie sind für die DECHEMA kein Fremder und in Ihrer Zeit als Botschafter unseres Landes in der Volksrepublik China hatten wir mehrfach Gelegenheit, Sie zur ACHEMASIA zu begrüßen, Sie auf den Empfängen der Botschaft zu erleben und uns mit Ihnen ausführlich zu unterhalten. Sie wurden 1934 in München geboren und haben an der Universität München Klassische Philologie, Geschichte, Philosophie und Deutsch studiert. Nach dem Staatsexamen 1956 promovierten Sie 1958 zum Dr. phil.. An der Universität Marburg und München lehrten Sie bis 1965 Klassische Philologie und sind dann in das Auswärtige Amt eingetreten. Nicht alle werden wissen, daß unser früherer Bundesaußenminister, Hans-Dietrich Genscher, viele seiner Reden Ihnen zu verdanken hatte. 1987 bis 1990 waren Sie als Botschafter der Bundesrepublik in Indien tätig, waren dann wiederum für zwei Jahre Leiter des Planungsstabs im Auswärtigen Amt, um danach Ihre diplomatische Karriere zunächst als Botschater in Italien und von 1995 bis 1999 als Botschafter in China fortzusetzen. Ihre außerordentlich kenntnisreichen, interessanten und auch richtungweisenden Bücher haben Sie in weiten Teilen unseres Landes und im Ausland bekannt gemacht. Ich nenne hier nur beispielhaft die Titel „Die japanisch-amerikanische Herausforderung“, „Wettlauf ins 21. Jahrhundert – die Zukunft Europas zwischen Amerika und Asien“ und das im Jahr 2000 erschienene Buch „China – eine Weltmacht kehrt zurück“. Das Thema dieses Buches ist im Prinzip auch das Thema Ihres heutigen Vortrages, den Sie gewiß auch mit ganz aktuellen Entwicklungen angereichert haben. Wir sind jetzt alle sehr gespannt auf Ihren Vortrag und ich darf Sie bitten, nun zu uns zu sprechen.

51/2003
© DECHEMA e.V. 1995-2008, Last update am 15.07.2008 von Claudia Rinck